Badische-Zeitung vom Montag, 08. Mai 2006

Drei Gemeinden, eine Feuerwehrprobe
Szenario war ein Brand in einem Gästehaus in Herrischried

HERRISCHRIED/GÖRWIHL/RICKEN- BACH (ks). Zur allseitigen Zufriedenheit verlief die großangelegte Raumschaftsübung der Feuerwehren Herrischried, Görwihl und Rickenbach am Samstagnachmittag im Herrischrieder Ortskern beim Gästehaus Hauber. Die Kontinuität dieser jährlichen Gemeinschaftsaktion soll, wie Görwihls Kommandant Klaus Boenke erläuterte, nach Unregelmäßigkeiten in der Vergangenheit wieder hergestellt werden. Wir berichteten bereits darüber. Im nächsten Jahr wird sie von der Feuerwehr Rickenbach ausgerichtet werden, das Jahr darauf dann in Görwihl.

Die Raumschaftsübung der Feuerwehren von Herrischried, Görwihl und Rickenbach im Ortskern von Herrischried galt neben der Brandbekämpfung vor allem der Menschenrettung. (FOTO: KARIN STEINEBRUNNER)

Das wichtigste Augenmerk sollte bei dieser Übung der Menschenrettung gelten. Außerdem galt es, die Brandbekämpfung über den Hochbehälter am Riesenbühlweg zu üben. Pünktlich um 16 Uhr kam die Alarmierung der Herrischrieder Feuerwehr. Als Grund angenommen wurde die starke Rauchentwicklung im ersten Obergeschoss des Hauses Schachenbühlstraße 2b, hervorgerufen durch ein defektes Fernsehgerät. Einsatzleiter Franz Egle kontaktierte den Hausbesitzer und erfuhr, dass derzeit eine Jugendgruppe mit 30 Personen das Haus bewohne, von denen etwa zehn noch im Innern vermutet würden. Die beiden Betreuer seien in heller Aufregung zurück ins Haus gerannt, um die Kinder selbst zu retten.

Aufgrund dieser Situation wurde nach dem Stoppen der Energieversorgung im Haus sofort die Menschenrettung über die vierteilige Steckleiter eingeleitet und Verstärkung angefordert. Kurze Zeit später trafen die Löschgruppenfahrzeuge von Görwihl und Rickenbach am Einsatzort ein. Während die Görwihler zur Unterstützung der Menschenrettung eine Leiter an den zweiten Balkon anlegten, bauten die Rickenbacher zunächst die Wasserversorgung auf. Parallel dazu wurden über die dreiteilige Schiebleiter die Personen aus dem Dachgeschoss in Sicherheit gebracht. Dramatisch gestaltete sich die Rettung der beiden Betreuer, von denen beim Versuch der Rettung ihrer Schützlinge einer eine Rauchvergiftung, der andere einen Beinbruch erlitten hatte. Sie wurden über die Notleiter sowie über das Treppenhaus abtransportiert. Die First Responder, die vor Ort wohnende Erst-Helfer-Gruppe des Deutschen Roten Kreuzes, die ebenfalls am Einsatzort waren, wurden sie betreut.

Nachdem der Brand gelöscht war, wurde das gesamte Gebäude nach weiteren Personen abgesucht. Nach 45 Minuten konnte der Einsatz abgeschlossen werden, an dem Rickenbach mit 13 Mann, Herrischried mit elf und Görwihl mit zehn Feuerwehrleuten beteiligt waren. Insgesamt 12 Atemschützer waren parallel an drei Stellen im Einsatz. Zur Unterstützung der beiden First Responder vor Ort waren noch zwei Personen des Rettungsdienstes vom DRK-Stützpunkt in Segeten angerückt.

Auch die Zusammenarbeit der Retter will geprobt sein

Insgesamt elf Personen wurden aus dem Haus gerettet. Die neun Kinder wurden in der Übung von Mitgliedern der Jugendfeuerwehr Herrischried dargestellt, die Betreuer von zwei ihrer Ausbilder. Einsatzleiter Franz Egle bedankte sich wie auch Kommandant Christian Dröse abschließend bei den Feuerwehrleuten und betonte nochmals die Wichtigkeit der Vertrauensbildung und Zusammenarbeit der Mannschaften untereinander. Ganz bewusst war aus diesen Gründen je eine Löschgruppe aus jeder Gemeinde angefordert worden. Im Ernstfall wäre die Herrischrieder Feuerwehr freilich mit mehr Kräften im Einsatz gewesen.